Natural Dogmanship® betrachtet den Hund umfassend und ganzheitlich als das, was er
naturgemäß ist: ein sozial hoch entwickelter Beutegreifer, der in Gemeinschaft mit
seinen Rudelmitgliedern in Sicherheit leben und natürlich auch jagen möchte, denn:
Hunde werden mit einer natürlichen Instinktveranlagung geboren, die u.a. dafür sorgt,
dass sich Welpen – noch taub und blind - sofort nach der Geburt in Bewegung setzen
und mit Nahrungssuchver-halten beginnen, um zu überleben; dieses Nahrungssuchverhalten
ist nichts anderes als instinktives Jagdverhal-ten, ein Teil ihres Wesens, der sie
ihr Hundeleben lang begleiten wird und woran auch pünktlich servierte Futter-näpfe
nichts ändern.
Aus den Instinkten des Hundes ergeben sich logischerweise auch seine natürlichen
Bedürfnisse. Diese teilt uns der Hund vorwiegend körpersprachlich mit – er bringt
körperlich bzw. äußerlich zum Ausdruck, was seine inneren „Beweg“-Gründe und Emotionen
sind, er „erzählt“ uns Dinge über sich. Daher ist es wichtig, dass der Mensch die
artspezifische Kommunikation seines Hundes umfassend versteht, denn nur so kann er
die Bedürfnisse seines Hundes überhaupt erst sehen. Besteht keine klare Verständigung
zwischen Mensch und Hund, so kann auch kein für beide Seiten sinnvolles Miteinander
zustande kommen und Probleme sind vorprogrammiert.
Wer den Anspruch auf natürliche und artgerechte Erziehung erhebt, ist daher gefordert,
sich in die Sicht- und Denkweise des Hundes zu versetzen – die Welt also aus Hundeaugen
zu sehen-, sich ihm gegenüber verständlich zu machen und Dinge zu tun/zu fordern,
die nicht nur für den Menschen, sondern auch für den Hund einen Sinn er-geben. Alles
andere ist für den Hund sinnlose Unterordnungsarbeit um der Unterordnung willen,
bei der dem Hund einseitig menschliche Denk- und Sichtweisen übergestülpt werden
und wobei er letztendlich als Konsumprodukt betrachtet wird, über das verfügt wird
und das schnell und reibungslos funktionieren, aber nur keine eigenen Be-dürfnisse
und Gefühle haben darf.
Doch nicht nur der Hund, auch der Mensch hat Bedürfnisse. Während der Hund gerne
Hund bleiben und seine Be-dürfnisse (aus)leben möchte, wünscht sich der Mensch verständlicherweise
einen gut erzogenen und gesell-schaftsfähigen Hund, der ihn nicht ständig in Schwierigkeiten
bringt - auch einen Hund, der ihm nicht gezwunge-nermaßen, sondern freiwillig und
gerne folgt. Hier muss es sich aber nicht zwangsläufig um unvereinbare Wider-sprüche
zwischen Mensch und Hund handeln, denn man kann die natürlichen Instinkte und Bedürfnisse
des Hun-des durchaus sinnvoll und effektiv für seine erfolgreiche Erziehung nutzen
und dabei die Bedürfnisse von Mensch und Hund miteinander in Einklang bringen.
Bei der Erziehung nach Natural Dogmanship® lernt der Hund alle für das Zusammenleben
mit dem Menschen wichtigen Signale wie „Sitz“, „Down“ oder „Bei“ etc. nicht als isolierte
Gehorsamsübungen, die man ihm abringen oder für die er explizit entlohnt bzw. entschädigt
werden muss, sondern in einem für den Hund verständlichen Ge-samtzusammenhang: der
gemeinsamen Jagd auf den Preydummy - einen mit Futter gefüllten Leinenbeutel, der
eine Ersatzbeute und gleichzeitig das gemeinsame Ziel von Mensch und Hund symbolisiert.
Der Mensch schafft also einen für den Hund naturgemäß logischen, sozialen Kontext
(die gemeinsame Jagd), in welchem er eine für den Hund ebenfalls nachvollziehbare
und darüber hinaus sehr wichtige Rolle spielt: Er wird zu einem aus Hundesicht sinnvoll
handelnden Vorbild, an dem sich der Hund gerne orientiert, weil dieses Vorbild weiß,
worauf es im Hunde-leben ankommt. Der „Vorjäger“ Mensch beginnt und beendet den gemeinsamen
Jagdausflug und tut am Ende das, was ein Rudelführer ebenfalls tut: er öffnet den
Beutel bzw. „reißt“ die Beute und teilt diese, nachdem der Hund sie apportiert hat.
Somit bekommt der Hund die Möglichkeit, sich gemeinsam mit dem Menschen seinen Lebensun-terhalt
zu erjagen und muss nicht mehr „arbeitslos“ auf der Couch liegen; der langweilige
Spaziergang wird zum aufregenden Jagdgang. Gleichzeitig lernt der Hund auf ganz natürliche
Weise, was für sein Leben sinnvoll, da wichtig ist und außerdem noch Spaß macht:
aufmerksam und freudig auf seinen Menschen zu achten und ihm, egal zu welcher Zeit
und an welchem Ort, zu folgen – körperlich und geistig.
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